Foto: Philipp Brandstädter/dpa

Schwere Arbeit am heißen Ofen

03. August 2022

Früher stellten Arbeiter in der Völklinger Hütte Eisen her. Inzwischen ist das riesige Eisenwerk im Saarland, das etwa 60 Kilometer von Luxemburg entfernt liegt, ein Weltkulturerbe. Dort kann man lernen, wie schwer und gefährlich die Arbeit am heißen Ofen war. 

Turmhohe Schornsteine ragen in den Himmel. Riesige Hallen reichen bis zum Horizont. Schon aus der Ferne kann man in der Stadt Völklingen im Saarland ein erstaunliches und einzigartiges Bauwerk sehen: die Völklinger Hütte. 

Eine Hütte? Damit ist kein kleines Haus gemeint. Hütte oder Hüttenwerk wird auch eine industrielle Anlage genannt, in der Metall gewonnen oder Keramik hergestellt wird. Die Völklinger Hütte war früher ein Eisenwerk. Hier wurden einst rund um die Uhr Unmengen von Roheisen hergestellt. 

„Vor 150 Jahren entwickelte sich die Hütte zu einem der wichtigsten Eisenwerke in Europa“, erzählt Walter Altpeter. Der Fachmann führt Besucherinnen und Besucher über das Gelände der Hütte. Wir stehen in einer Halle neben riesigen Rädern. Es riecht noch ein bisschen nach Maschinenöl. Dabei ist das Eisenwerk schon seit Jahrzehnten stillgelegt. „Hier in der Gebläsehalle wurden über diese Schwungräder Luft zu den Hochöfen gepumpt“, sagt der Fachmann. 

„In den Öfen musste es mindestens 1.200 Grad heiß sein, damit das Eisen flüssig wird und sich aus dem Erz löst“

Walter Altpeter, Fachmann für Eisenwerke

Die Hochöfen, das sind die sechs riesigen Bauten mit den Schornsteinen. In denen wurde das Eisen gewonnen. Über Gleise auf dem Boden und hängende Schienen beförderten die Arbeiter tonnenweise Eisenerz in die Öfen. „In den Öfen musste es mindestens 1.200 Grad heiß sein, damit das Eisen flüssig wird und sich aus dem Erz löst“, erklärt Walter Altpeter. Zum Vergleich: Kochendes Wasser ist 100 Grad heiß. Wenn das Erz schließlich im Ofen schmolz, sank das schwere flüssige Roheisen allmählich nach unten ab. 

Nun mussten die Arbeiter den Ofen öffnen. „Das ging nicht durch eine Ofentür, wie wir sie vielleicht von einem Herd oder Kamin kennen”, sagt der Fachmann. „Die wäre bei der Hitze sofort geschmolzen.“ Stattdessen schlugen die Leute mit einem speziellen Meißel ein Loch in die Ofenwand. Man sagte dazu: Der Ofen wird abgestochen. 

Durch das Loch schoss dann das glutrote, flüssige Roheisen hinaus. Durch eine Rinne aus Sand lief die heiße Masse direkt in die Tiegel einer Lok. Die transportierte das Eisen ab. Die Arbeiter mussten den Ofen wieder mit feuerfestem Lehm verschließen. Sich so nah an einem offenen Ofen und an flüssigem Metall aufzuhalten, war lebensgefährlich! 

17.000 Menschen arbeiteten in der Völklinger Hütte

„Diese Arbeit wurde das ganze Jahr rund um die Uhr gemacht“, erklärt Herr Altpeter. Die Öfen liefen fast ununterbrochen. Zeitweise wurden in der Völklinger Hütte pro Tag 6.000 Tonnen Roheisen hergestellt. Bis zu 17.000 Menschen arbeiteten auf dem Gelände. Sie trotzten dem Lärm der Maschinen, giftigen Abgasen, der irrsinnigen Hitze – Tag für Tag. 

Das Roheisen wurde gebraucht, um es zu Stahl zu verarbeiten. Doch in Deutschland wird davon nicht mehr so viel produziert. Deshalb wurde der Betrieb in der Völklinger Hütte eingestellt. Heute ist das Eisenwerk ein Industriemuseum und Weltkulturerbe. 

Autor: Philipp Brandstädter, Deutsche Presseagentur 

Schatz der Vergangenheit  

Der Kölner Dom, die Pyramiden in Ägypten, die Chinesische Mauer: Diese weltberühmten Bauten kennen viele Leute auf der Welt. Was haben die aber mit der Völklinger Hütte zu tun? Sie alle sind Weltkulturerbe. Das ist eine Auszeichnung etwa für Denkmäler, Gebäude und Stätten, die für unsere Kultur eine große Bedeutung haben. 

Die Hütte ist das einzige vollständig erhaltene Eisenwerk der Welt. Von der Anlieferung mit Erz bis zur Verarbeitung des Roheisens in den Öfen kann man dort sehen, wie jahrzehntelang Eisen hergestellt wurde. Damit ist das Werk ein besonderes Zeugnis der industriellen Kultur. Aus diesem Grund hat die Hütte den Titel Weltkulturerbe bekommen. Mehr dazu findest du hierQuelle: DPA 

 
Lokomotiven, die zum Stahlwerk gehörten, zogen die schweren Waggons mit den Rohstoffen für die Stahlerzeugung vom Bahnhof ins Innere des Werkes. Foto: Philipp Brandstädter/dpa 

Ohne Eisen kein Stahl  

Ob man nun Gebäude baut, Brücken, Eisenbahnschienen, Schiffe oder Maschinen: Man braucht dafür Stahl. Er wird aus Eisen gemacht. Eisen ist ein Stoff, der reichlich im Erdboden liegt. Aber in seiner natürlichen Form kann er in der Industrie nicht verwendet werden. Aus dem Eisenerz in der Erde muss man erst das reine Eisen gewinnen. 

Dazu werden in einem Hochofen Eisenerz und Koks übereinandergeschichtet und erhitzt. Koks ist weiterverarbeitete Kohle und ein besonders guter Brennstoff. Beim Erhitzen sinkt das Eisen ab, und ein brodelnder Brei aus leichterem Material steigt auf. Der wird Schlacke genannt. Das von der Schlacke getrennte Roheisen kann später zu Stahl weiterverarbeitet werden. Quelle: DPA 

Das Bild zeigt die Rohstoffe für Roheisen. Von vorn nach hinten: Eisenerz, Sinter, Koks und Kohle. Sinter besteht größtenteils aus Kalk. Koks erhält man, wenn man Kohle unter Luftausschluss auf 1.000 Grad erhitzt. Foto: Philipp Brandstädter/dpa 

Als ein Hochofen aus Luxemburg nach China umzog 

Auch in Luxemburg gab es früher Dutzende Hochöfen und gibt es noch immer Stahlfabriken. Zwei dieser Hochöfen kann man noch sehen, wenn man nach Esch-Belval fährt. Diese Anlagen aus den Jahren 1965 und 1970 wurden restauriert, damit die Menschen sich anschauen können, wie früher Stahl hergestellt wurde. Vor 25 Jahren wurde auch der letzte Hochofen in Belval stillgelegt. Denn es war zu teuer, um noch solche Maschinen zu betreiben. Außerdem hatte die Technik geändert: Moderne Öfen schmelzen Metall mit elektrischer Energie und sind weniger kompliziert.

Wusstest du, dass einer der Hochöfen aus Luxemburg komplett abgebaut und nach China transportiert wurde ? Auch dieser Ofen stand einmal in Belval und war 110 Meter hoch und 10.000 Tonnen schwer. Da es einer der modernsten in Europa war, interessierten sich chinesische Stahlfabrikanten dafür und schickten 240 Arbeiter nach Belval, die die Maschine 1996 während fünf Monaten Stück für Stück zerlegten. 8.300 Kilometer weiter wurde der Hochofen dann in China wieder aufgebaut. Du kannst einen der restaurierten Hochöfen in Belval besuchen und dort sogar an einer Schatzsuche teilnehmen. Hier findest du die Webseite für die Anmeldung.

In Belval wurden zwei Hochöfen erhalten. Einen kann man besichtigen. Foto: clk 
Der Hochofen in Belval wird am Abend spektakulär beleuchtet. Foto: clk 
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